Heidelberg. Am 27. März fand im Seniorenzentrum Wieblingen der AWO Heidelberg Soziale Dienste gGmbH ein Vortrag statt: „Corona-Pandemie – Was können wir daraus lernen?“
Prof. Dr. med. Wolfgang Huber und Peter Maurus von der AWO Heidelberg klärten retrospektiv über die Covid 19-Pandemie auf und ordneten das damalige und heutige Management auf der umwelt- und sozialmedizinischen Dimension kritisch ein. Fast zwei Dutzend Interessent*innen hörten gespannt den Ausführungen der Vortragenden zu, während sie die Präsentation mit dem Thema „Betroffenheit“ eröffneten und über die Schließungen vieler wichtiger Institutionen wie Schulen, Kindergärten und Altenheimen berichteten. Versammlungsverbot, Impfpflicht und Lockdown: Auswirkungen, die für alle weltweit spürbar waren. Nach der wissenschaftlichen Einordnung der Erkrankung, und der Darlegung ihrer Symptome, beeinflussender Umweltfaktoren und den gesundheitlichen Spätfolgen (z.B. Long Covid), sprachen die Referenten auch über die wirtschaftlichen Folgen wie eine hohe Arbeitslosenrate, die sich zu der Zeit unmittelbar abzeichnete.

Besonders interessant waren die heutigen Corona-Zahlen in Heidelberg, die Stand Dezember 2025 bei einer 7-Tage-Inzidenz von 6,2 (Anzahl der binnen der letzten Woche gemeldeten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner) lagen. Außerdem wurden 66 neue Todesfälle in Deutschland verzeichnet, wobei der gesamte Anteil Verstorbener seit Beginn des Virenausbruchs gerade einmal bei 0,48% liegt. Bedenkt man die gesamte Menge aller nationalen Coronafälle, sind das jedoch immer noch fast 190.000 Menschen, allein in Deutschland. 2024 bezeichnete die Frankfurter Allgemeine Zeitung Covid 19 als die zweithäufigste Todesursache im Jahr 2021.

Heute, einige Jahre später, üben Herr Huber und Herr Maurus Kritik. Ihrer Meinung nach seien die Maßnahmen des Lockdowns unverhältnismäßig gewesen. Besonders das Versammlungsverbot im Freien, obwohl die Ansteckungsgefahr in Außenräumen deutlich geringer sei als in Innenräumen, hätte man anders regeln können. Die Schließung von Schulen, Kindergärten, Sportplätzen und Spielplätzen hätte nur als letzte Stufe der Maßnahmen zulässig sein dürfen, denn von den Auswirkungen waren vorrangig Personen mit engen Wohnverhältnissen und Umweltbelastungen betroffen. Auch die Verzögerung der Kompensationen von Coronageschädigten wie die Anerkennung von Covid 19 als Berufskrankheit in bestimmten Berufen, oder die Anerkennung als Schwerbehinderung, seien nicht zu akzeptieren, da dies zu schweren wirtschaftlichen und psychischen Belastungen führe. Relevante Berufsgruppen wie Personen der Verkehrsbetriebe oder vom Verkaufspersonal würden gar nicht berücksichtigt.
In Bezug auf die Impfpflicht sind Huber und Maurus der Auffassung, dass die Dunkelziffer von Impfschäden deutlich höher sei als die bekannten Zahlen und dass diese nicht ausreichend geprüft wurden. Vom Paul-Ehrlich Institut (PEI) wurden bis Ende März 2025 insgesamt 63.909 Verdachtsmeldungen von schweren gesundheitlichen Folgen aufgrund von Coronaimpfungen gemeldet. Für Huber und Maurus wurden Residualzustände nach der Impfung nicht ausreichend dokumentiert und medizinisch ungenügend weiter betreut, sowie bei Todesfällen nach Impfungen keine Autopsien durchgeführt, um realere Zahlen zu ermitteln. Da die Impfung zwar den Verlauf abschwäche, eine Ausbreitung aber nicht verhindern könne, sehen die Referenten auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht nicht mehr als sinnvoll.

Besonders kritisieren Prof. Dr. med. Wolfgang Huber und Peter Maurus die psychologischen und psychosozialen Folgen „im toten Winkel der Pandemie“. Symptome von posttraumatischen Belastungsstörungen wie postinfektiöse reaktive Depression oder Angstreaktionen würden nicht ausreichend berücksichtigt und therapiert. Behandlungen wie antientzündliche Therapien müssten von den Patienten selbst getragen werden. Auswirkungen auf die fetalen und postpartalen Entwicklungen seien gar nicht bekannt, obwohl bei anderen Virusinfektionen wie z.B. Röteln, Masern oder Hepatitis schwerwiegende Folgen nachgewiesen wurden.
Das Fazit der Vortragenden war, dass eine praxisbezogene Forschung und Grundlagenforschung zur Entwicklung spezifischer Behandlungsmöglichkeiten bei chronischen Entzündungen (viral und umwelttoxisch) für künftige Pandemien erforderlich seien. Auch die schädlichen umwelt- und strukturellen sozialmedizinischen Aspekte der Lebenswelt, insbesondere der Wohnbedingungen, bräuchten dringend die Aufmerksamkeit der Sozial- und Umweltpolitik, so Huber und Maurus.
Abschließend gingen Huber und Maurus mit allen Anwesenden in Diskussion.